KI-Stammtisch im Hohen Fläming: Von der Idee zur Infrastruktur
Am Dienstag, den 22. September 2026, hat sich der KI-Stammtisch im Hohen Fläming zum dritten Mal getroffen, online und auf Einladung des Smart Village e. V. (zur Stammtisch-Seite)
Aus dem offenen Austausch der ersten Termine ist ein Förderantrag geworden. Die Runde sammelt deshalb weniger neue Themen. Sie prüft jetzt eine konkrete Idee an den Erfahrungen der anderen.
Wer da war
Die Runde war wieder klein und breit gemischt. Dabei waren eine Startup-Gründerin aus den Neurowissenschaften, die nach einem Jahr Pause wieder selbst programmiert, und ein gelernter Kulturhistoriker, der seit fünfzehn Jahren Webseiten baut und im Vorstand seiner Dorfgemeinschaft sitzt. Ein IT-Projektmanager automatisiert nebenbei ein ehrenamtliches Kino. Jemand arbeitet beruflich mit sensiblen Daten und kommt deshalb an lokaler KI nicht vorbei. Eine Teilnehmerin aus der Ministerialverwaltung brachte die Frage mit, wie so etwas politisch skaliert.
Diese Mischung soll das Format tragen, und an diesem Abend hat sie geholfen: Zu jeder der drei vorgestellten Ideen kam Widerspruch, eine Ergänzung oder ein Kontakt aus einer Richtung, an die die Vortragenden selbst nicht gedacht hatten.
Worüber wir gesprochen haben
Der LEADER-Antrag
LEADER ist ein Förderprogramm für Regionalentwicklung. Meist fördert es Dorfgemeinschaftshäuser oder breitere Gehwege, gelegentlich auch Konzepte, Prototypen und digitale Projekte. Auf diese zweite Gruppe zielt der Antrag, den wir gerade vorbereiten.
Der erste Baustein ist eine prototypische regionale KI-Infrastruktur, ein Beispiel in kleinem Maßstab, das man vorführen kann. Sie arbeitet in Stufen: Eine Anfrage läuft zuerst auf dem eigenen Rechner, dann auf einem regionalen Server irgendwo im Fläming. Reicht beides nicht, geht sie an ein großes kommerzielles Modell. Die Weiche dafür nennen wir „Autorouter“. Er schätzt für jede Anfrage ab, wie viel Rechenleistung sie braucht.
Solche Router entwickeln derzeit viele Firmen, fast alle mit dem Ziel, Kosten zu sparen. Bei der Recherche für den Antrag haben wir bisher einen Anbieter gefunden, der auf Datenschutz optimiert: ein Münchner Start-up. Es leitet Anfragen nur an DSGVO-konforme Anbieter weiter und maskiert personenbezogene Daten vorher. Dafür berechnet es 3,5 bis 7,5 Prozent der Token-Kosten. Das System ist geschlossen und leitet nicht an lokale oder regionale Modelle weiter, und diese Funktion brauchen wir. Außerdem lernt der Anbieter aus allen Anfragen, die er weiterleitet, und legt das nicht offen. Wir ziehen daraus zwei Schlüsse: Wir wollen Lobbyarbeit machen und eine eigene, offene Router-Infrastruktur aufbauen.
Der zweite Baustein sind Anwendungsfälle, an denen wir das Konzept zeigen. Zwei davon haben wir besprochen:
Meeting-Begleiter
Ein KI-Agent, der Gespräche mithört, gliedert und nebenbei recherchiert. Das Ergebnis erscheint live als Markdown. An diesem Abend lief er selbst mit, mehr dazu weiter unten.
Ortsgedächtnis noch zu prüfen
Viele Dörfer wollen ihre Geschichte dokumentieren. Das Wissen steckt in Köpfen, Grundbüchern und alten Niederschriften. KI könnte helfen, es zu erfassen, zu kartografieren und zu verknüpfen.
Zum Ortsgedächtnis kam sofort ein Einwand: Im Fläming arbeitet jemand seit Jahren mit wissenschaftlicher Begleitung an so einem Vorhaben, und die größte Hürde dort sind die Menschen. Viele geben ihr Wissen ungern preis. Ob Technik daran etwas ändert, konnten wir an dem Abend nicht klären.
Ein Assistent, der live mithört
Außerdem haben wir den Meeting-Begleiter vorgestellt, der aus Theaterprojekten mit Jugendlichen entstanden ist. Der KI-Agent hört einem Gespräch zu, gliedert es, recherchiert nebenbei und zeigt das Ergebnis live als Markdown an. Man kann ihn mitten im Gespräch ansprechen und ihm Aufträge geben. Bei der Live-Demo war ein Zugangstoken abgelaufen. Am Ende des Abends fiel die Bilanz gemischt aus: Mit zugerufenen Aufträgen arbeitet das Werkzeug schon gut. Läuft es nur passiv mit wie an diesem Abend, überzeugt es noch nicht. Die Runde hat zugestimmt, dass wir die Aufzeichnung nutzen, um diesen Modus zu verbessern.
Europäisch denken, lokal anfangen
Jemand fragte, ob sich solche Initiativen europäisch vernetzen müssen, damit sie etwas bewirken. Die Runde sagte ja, mit einer Einschränkung. Bund und EU befassen sich längst mit dem Thema, auf die großen Apparate zu warten hielt trotzdem niemand für sinnvoll. Ein europäischer Weg muss sich nicht mit den größten Modellen messen. Er kann auf kleinere, spezialisierte Modelle und lokale Kapazitäten setzen, und Regeln wie DSGVO und EU AI Act schaffen dabei Vertrauen. Wir fangen also an und suchen unterwegs die Vernetzung.
Aus ministerieller Sicht kam ein konkreter Rat: Sobald das Projekt vorzeigbar ist, sollten wir es direkt im zuständigen Bundesministerium vorstellen, das Leuchtturmprojekte sucht. Ansprechpartner wären ein Abteilungsleiter oder ein parlamentarischer Staatssekretär. Als wissenschaftlicher Partner kam das Munich Center for Machine Learning der LMU ins Gespräch. Wir sollten früh damit anfangen, sonst verpassen wir Förderprogramme, die es schon gibt. Deshalb schreiben wir ein Konzeptpapier und geben es vorab zum kritischen Gegenlesen weiter.
Offen blieb, wie mehrere Nutzer eine geteilte Infrastruktur gemeinsam betreiben. Teilen sie sich Rechenzeit, oder laufen Dienste dauerhaft im Hintergrund? Und bei Lastspitzen oder im Leerlauf? Die Antworten hängen von den Anwendungsfällen ab, und die sammeln wir als Nächstes.
Bericht vom KI-Tag in Werder
Vor zwei Wochen kamen im Bahnhof Werder 80 bis 100 Menschen zum 4. KI-Tag der Wirtschaft des Landes Brandenburg zusammen, eingeladen war ausdrücklich der Mittelstand. Viele Unternehmen dort setzen KI schon ein und stehen nicht mehr am Anfang. Goldsponsor war die IT-Sparte eines großen Handelskonzerns. Sie baut in Brandenburg ein Rechenzentrum mit KI-Forschungscampus für mehrere Tausend Menschen und spricht vom „europäischen Hyperscaler“. Auch europäische Konzerne wollen sich also von US-Anbietern lösen.
Die Kostenseite kam auf der Konferenz kaum vor: Energie, Umwelt, soziale Umbrüche, geopolitische Abhängigkeiten. Die Branche feierte sich und fragte nicht, ob jede Anwendung KI braucht. Wer eine Websuche über ein großes Modell laufen lässt, obwohl ein kleines offenes Modell genügt, verschwendet Ressourcen. Selbstkritisch hielten wir fest, dass lokale KI auch deshalb selten genutzt wird, weil regionale Rechenkapazitäten fehlen. Verständliche Anleitungen, wie man ein Modell auf der eigenen Hardware zum Laufen bringt, gibt es kaum. Bisher bedeutet das viel Ausprobieren.
Kleine Modelle, große Wirkung
Zum Schluss gab es einen Technik-Impuls. Mitte September hat TypeSafe AI mit Jev ein Modell veröffentlicht, das ausschließlich klassifiziert. Es verarbeitet große Datenmengen in Millisekunden und wählt aus einer festgelegten Liste von Antworten. Input-Tokens kosten einen Bruchteil, Output-Tokens nichts, und die Latenz fällt kaum ins Gewicht. Viele Aufgaben, für die Firmen heute große Sprachmodelle einsetzen, sind im Kern Multiple-Choice: einen Browser bedienen oder E-Mails als Spam einsortieren. Zu dem Thema kursiert schon viel Hype, deshalb lohnt es sich, Information und Werbung auseinanderzuhalten. Eine Leseempfehlung teilen wir in der Signal-Gruppe, beim nächsten Termin gehen wir tiefer rein.
Wie es weitergeht
Der Abend hat auch gezeigt, wo das Format an Grenzen stößt. Einige hätten zu einzelnen Punkten drei Stunden weiterreden können, gleichzeitig soll der Stammtisch offen für Menschen ohne Vorkenntnisse bleiben. Aus der Runde kam deshalb der Vorschlag, länger zu tagen und den Abend in Blöcke zu teilen: einen für vertiefende „Nerd-Sessions“ und einen für Berichte und Vernetzung, etwa eine halbe Stunde pro Thema. So kannst du dich zu den Blöcken dazuschalten, die dich interessieren.
Für den Antrag zählt jetzt der Kalender. Die Abgabefrist ist Anfang Oktober. Danach durchläuft der Antrag ein mehrstufiges Verfahren bei der Lokalen Aktionsgruppe Fläming-Havel, mit einem Projektstart rechnen wir frühestens 2027. Wird der Antrag bewilligt, können wir über mehrere Jahre entwickeln und Honorare an Selbstständige in der Region vergeben.
Bis dahin sammeln wir Anwendungsfälle, schreiben das Konzeptpapier und knüpfen Kontakte zu Bund und Wissenschaft. Beim nächsten Termin schauen wir uns die Klassifizierer-Modelle genauer an.
Zwischen den Terminen tauschen wir uns in einer Signal-Gruppe aus. Schreib uns an info@smart-village.net, dann nehmen wir dich auf. Eingeladen sind alle, die sich mit der Region verbunden fühlen und sich für KI interessieren, mit oder ohne Vorkenntnisse.
Tipp: Videos erstellen mit KI
Durch den KI-Dschungel: KI-Video, Bildgenerierung und hybride Workflows
Beim Stammtisch für Medienschaffende vom Ankerpunkt Hoher Fläming hält die AI-Filmmakerin Sylvia Nitzsche dazu einen Impuls. Eingeladen sind alle, die in Medien, Film, Design, Text, Audio oder Kommunikation arbeiten.
- Datum
- Mo, 5. Oktober 2026
- Uhrzeit
- 17:00–19:00 Uhr
- Ort
- Coconat, Klein Glien oder online
Der nächste KI-Stammtisch: Termin folgt auf smart-village.net/ki-stammtisch
An diesem Beitrag hat KI mitgeschrieben. Der Meeting-Begleiter, den wir an dem Abend vorgestellt haben, hat das Gespräch live transkribiert und gegliedert. Auf Grundlage dieses Protokolls ist der Bericht mit Claude Fable 5.1 entstanden. Zum Schluss haben wir den Text mit den Regeln von stop-slop überarbeitet, um typische KI-Floskeln zu streichen.
Die Spracherkennung unterscheidet keine Sprecher. Deshalb nennt dieser Bericht keine Namen und ordnet Aussagen nur dort Personen zu, wo wir das belegen können.



Smart Village e.V.