
KI-Stammtisch im Hohen Fläming: Projekte und datensouveräne KI
Am Montag, den 26. Oktober 2026, hat sich der KI-Stammtisch im Hohen Fläming zum vierten Mal getroffen, online und auf Einladung des Smart Village e. V. (zur Stammtisch-Seite).
Zum ersten Mal lief der Abend in zwei Blöcken, so wie es die Runde im September vorgeschlagen hatte: eine halbe Stunde Nerd-Session zu einem kleinen Entscheidungsmodell, danach eine offene Runde mit Berichten aus drei Projekten. Es ging um Technik, um einen Förderantrag und um Theater.
Wer da war
Die Teilnehmenden kamen aus Bildung, Design, Programmierung, Beratung, Kunst und gemeinwohlorientierter Arbeit. In der Vorstellungsrunde beschrieben viele dasselbe Gefühl: Die neuen Möglichkeiten faszinieren, zugleich machen Ressourcenverbrauch, Abhängigkeiten von großen Anbietern und die gesellschaftlichen Folgen Sorgen. Mehrere erzählten, dass sie mit KI heute Dinge selbst bauen, für die früher ein Team nötig gewesen wäre. Andere warnten davor, KI ungeprüft als Wissensdatenbank oder für Handlungsempfehlungen zu nutzen.
Als gemeinsamer Anspruch zeichnete sich ab: KI weder feiern noch pauschal ablehnen, sondern verstehen, prüfen und bewusst gestalten.
Nerd-Session: Jev, ein Modell für schnelle Entscheidungen
Efte stellte Jev vor, ein Modell von TypeSafe AI, das keine Texte schreibt, sondern Entscheidungen trifft. Der Anbieter nennt es ein „System-One-Modell“ und bezieht sich damit auf Daniel Kahnemans Unterscheidung zwischen schnellem, intuitivem Denken (System 1) und langsamem, nachdenklichem Denken (System 2). Sprachmodelle wie Claude oder ChatGPT arbeiten eher wie System 2: Sie können Zwischenschritte einlegen und ihre Antwort prüfen. Jev antwortet sofort, aber nur innerhalb einer vorgegebenen Auswahl.
Weil die Antworten begrenzt sind, kann das Modell nicht frei erfinden. Als Vorteile nannte Efte die kurze Latenz, oft unter 300 Millisekunden, und niedrige Kosten. Auf die Frage, woher das Modell Wetter, Ort oder Gesundheitszustand kenne, war die Antwort einfach: gar nicht. Der vollständige Kontext muss bei jeder Anfrage mitgeschickt werden. Schwach ist Jev beim Rechnen, und die Trainingsdaten sind nicht bekannt. Die Qualität lässt sich nur über Benchmarks und eigene Tests beurteilen. Es gibt auch kleinere, offen verfügbare Modelle mit ähnlichen Fähigkeiten, die sich lokal betreiben und feinjustieren lassen, allerdings mit kleineren Kontextfenstern. Efte hatte sie noch nicht geprüft.
Die Runde fragte, ob sich Jev in Systeme wie Claude einbinden lässt und ob große Anbieter das unterbinden würden. Efte war bei seinen Versuchen auf keine Einschränkungen gestoßen und hielt ein Verbot auch für schwer durchsetzbar, weil solche Aufrufe in jedem Skript stattfinden können. Entscheidungsmodelle konkurrieren nicht mit großen Sprachmodellen. Sie können ihnen vorgeschaltet werden und auswählen, welches Dokument, welches Werkzeug oder welcher Verarbeitungsschritt als Nächstes dran ist.
Wofür sich das eignet
Efte zeigte mehrere Anwendungsfälle, zum Teil als Demo, zum Teil als Idee. Die Bildschirmfreigabe machte nicht immer mit, ein Video reicht er nach.
Schutz vor Prompt-Injection
Jev prüft Texte darauf, ob sie einen Agenten mit eingeschleusten Anweisungen manipulieren wollen. Verdächtiges wird zurückgehalten, bevor es an einen handlungsfähigen Agenten geht.
Browser bedienen
Statt Screenshots auszuwerten, wählt das Modell aus einer Liste möglicher Aktionen den nächsten Klick. Das Wikipedia-Spiel, bei dem man sich per Links zwischen Begriffen bewegt, löst es oft in unter zehn Sekunden.
Zuhören, bis es wichtig wird
Jev prüft einen laufenden Sprachstrom auf Schlüsselwörter. Erst eine ausdrückliche Aufforderung, etwa „Ist mein Zug verspätet?“, geht an den teureren Agenten. Das spart Tokens und passt zu einem Meeting-Assistenten.
Sortieren und weiterleiten
E-Mails nach eigenen Kriterien vorsortieren, Beiträge im Social-Media-Feed nach Interesse bewerten oder entscheiden, welches Modell und welches Werkzeug zu einer Anfrage passt. In einer Bahn-Demo führte „Wo sind meine Tickets?“ direkt zur richtigen Seite.
Zwei Fragen blieben offen und wanderten auf Eftes Rechercheliste: wie sich Datenbankinhalte mit so einem Modell gezielt abrufen lassen, etwa in Kombination mit SQL, und ob ein Entscheidungsmodell als dauerhaft laufender Detektor ungewöhnlichen Netzwerkverkehr erkennen kann. Quellen dazu teilt er in der Signal-Gruppe.
Offene Runde: drei Projekte
Lieven: der LEADER-Antrag hat ein Gesicht bekommen
Heiko Erhardt berichtete vom Stand des LEADER-Antrags bei der LAG Fläming-Havel. Das Vorhaben heißt jetzt Lieven, die Projektbezeichnung im Antrag lautet „Lieven – Aktiver KI-Besprechungs-Assistent“. Der Ausgangspunkt ist derselbe wie im September: KI nicht nur über weit entfernte Anbieter nutzen, sondern regionale, lokale und europäische Infrastruktur einbeziehen, aus Gründen der Souveränität, der geopolitischen Abhängigkeiten und des Energieverbrauchs.
Die ursprüngliche Idee, eine Infrastruktur, die Anfragen je nach Kontext, Verfügbarkeit und Preis an lokale, regionale oder internationale Modelle weiterleitet, wurde angepasst. Es brauchte einen Anwendungsfall, den man anfassen kann. Deshalb steht jetzt eine Meeting-Assistenz für Vereine, Genossenschaften, NGOs und kommunale Gremien im Mittelpunkt.
Als möglichen Baustein beschrieb Birk CoThinker, ein Open-Source-Projekt, das Sprache, Chat und direkte Eingaben verarbeitet, auf ein Repository zugreift und Systeme wie Nextcloud oder Git anbindet.
LEADER finanziert keine Softwareentwicklung, unterstützt aber Konzepte und Prototypen auf Basis bestehender Systeme. Der Antrag ist eingereicht, möglicherweise noch zu stark auf Protokollierung ausgerichtet. Mit einer ersten Rückmeldung rechnen wir zwischen Mitte November und Anfang Dezember. Danach könnte ein weiterer Antrag bei einer übergeordneten Stelle folgen.
Heiko begründete das Vorhaben mit der Rolle der Zivilgesellschaft: Vereine und Initiativen arbeiten mit knappen Mitteln und brauchen Werkzeuge, die ihre Arbeit wirksamer machen. Zugleich müsse man aktiv dafür sorgen, dass KI gesellschaftliche Veränderung unterstützt und nicht nur bestehende Machtverhältnisse verstärkt. Die Runde sah außerdem Potenzial für Teilhabe: Live-Transkription und Übersetzung können Menschen helfen, die eine Sprache nicht sicher sprechen. In einem Workshop in Italien wurden Interviews auf Italienisch geführt und später auf Deutsch vorgelesen.
KI im Theater: 160 Interviews und ein Stück
Birk berichtete von herkules.exe, einem Stück für alle ab zehn Jahren, das seine Gruppe ArtesMobiles mit dem Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel produziert hat. Fünf Freund:innen suchen ihren verschwundenen Freund Max und landen in einem Game, das ihre Wünsche kennt und ihre Ängste spürt. Grundlage waren Interviews mit über 100 Jugendlichen über Held:innen, Games, Songs und Social Media. Ihre Erfahrungen und Wörter sind in Figuren und Dialoge eingeflossen. Den Text schrieben Birks Partnerin Nina Maria Stemberger und eine KI gemeinsam. Fast alles, was auf der Bühne zu sehen und zu hören ist, hat eine KI erzeugt: Bilder, Animationen, Sound und Text, zum Teil live als Reaktion auf das Bühnengeschehen. Premiere war im April 2026, das Stück tourt bis 2027 durch Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus.
ArtesMobiles sagt selbst, dass der Einsatz von KI in der Kunst aus guten Gründen umstritten ist, weil Modelle mit Millionen Bildern trainiert werden, oft ohne die Künstler:innen zu fragen. Zugleich sieht die Gruppe jede neue Technologie als Material, das zwingt, anders zu denken. Aus der Arbeit an herkules.exe entstand die Idee, KI auch für kollaborative Stückentwicklung zu nutzen. Theater ist oft hierarchisch organisiert; ein Werkzeug, das Gruppenprozesse strukturiert und Perspektiven zusammenführt, könnte das ändern. Zugleich stellt sich die Frage, wem ein Text gehört und wie viel kreative Arbeit man an ein System abgibt. In einem fünftägigen Workshop hat Birk das mit dem Tool „InScribe“ ausprobiert. Der Ablauf hatte eine bewusste Grenze: KI durfte strukturieren und vorschlagen, die künstlerischen Entscheidungen trafen die Menschen.
Die Interviews wurden laut Birk auf europäischen, DSGVO-konformen Servern verarbeitet. Rückblickend fand er den Ablauf zu eng getaktet. Auf die Frage, ob im Workshop auch über Fehler und Grenzen von KI gesprochen wurde, verwies er auf das Konzept: Die Jugendlichen bekommen zu Beginn einen Dreivierteltag lang genau das als Hintergrundwissen vermittelt, nämlich Ressourcenverbrauch, Datensouveränität, geistiges Eigentum, Halluzinationen und die Frage, welche Daten sie selbst Chatbots anvertrauen.
Daraus leitete die Runde eine Voraussetzung für jeden Einsatz von KI als Assistenz ab: Man muss selbst wissen, was man will. Nur dann kann man Vorschläge prüfen, ablehnen oder gezielt verändern. In der Kunst betrifft das Inhalt und Ästhetik, in der Medizin das Fachwissen, um Richtiges von Falschem zu unterscheiden. Das gehört zu dem, was wir unter KI-Kompetenz verstehen.
Theater in zehn Jahren: ein Workshop in Sofia
Für die European Theatre Convention in Sofia plant Birk einen Workshop mit rund 40 Theaterleuten, von der Dramaturgie bis zur Intendanz. Acht Gruppen nehmen vorgegebene berufliche Rollen ein und beschreiben einen Arbeitstag in zehn Jahren, in dem KI und agentische Systeme ihre Arbeit verändert haben. Die Gespräche werden aufgenommen, geclustert und zusammengeführt. Jede Gruppe schreibt den Prolog für ein imaginäres Stück. Eine 360-Grad-Projektion zeigt die Gruppen als Knoten eines wachsenden Wissensgraphen, am Ende steht pro Gruppe ein Plakatmotiv mit einem Zitat. Geplant sind dafür 90 Minuten.
Technisch sollen an jedem Tisch mehrere Smartphones unterschiedliche Aufgaben übernehmen: eines als Mikrofon, andere für Stichworte, Fragen und Zusammenfassungen. Birk rechnet damit, dass die Audioverarbeitung in einem vollen Raum fehleranfällig ist. Deshalb gibt es eine Generalprobe am Samstag, 31. Oktober, um 16 Uhr im Forsthaus Reetzerhütten, in Präsenz, mit Kaffee und Kuchen. Die Einladung kommt über die Signal-Gruppe, der Termin kann sich noch verschieben.
Ein Workshop zu datensouveräner KI
Zum Schluss kam der Vorschlag, ein kurzes Teaser-Format zu lokaler KI anzubieten und daraus einen drei- bis vierstündigen Workshop zu entwickeln. Ein Teilnehmer schlug vor, den Rahmen weiter zu fassen: „Datensouveräne KI“ schließt auch europäische, DSGVO-konforme Server ein. Der Workshop soll praktisch sein. Ein mögliches Ziel: Am Ende hat jede Teilnehmerin einen eigenen Hermes-Agenten eingerichtet, lokal oder auf einem virtuellen Server, und mit einem Sprachmodell ihrer Wahl verbunden. Folgeformate könnten sich mit Skills, Workflows und Wissensmanagement befassen, auch ein Hands-on zu Jev wurde genannt.
Offen ist die Finanzierung. Diskutiert wurden Spenden, kleine Förderungen und Skillsharing. Der Stammtisch selbst soll kostenlos bleiben, Beiträge könnten abwechselnd aus der Runde kommen. Zugleich erfordern Workshops viel Vor- und Nachbereitung, und Lehrende sollten dafür bezahlt werden. Als Weg wurde genannt: zuerst gemeinsam Arbeit investieren, dann passende Förderung suchen.
Wie es weitergeht
In der Abschlussrunde lobten viele die Mischung aus technischen, gesellschaftlichen und künstlerischen Perspektiven und die Balance aus Begeisterung und Aufmerksamkeit für Risiken. Mehrere wollen wiederkommen oder beim nächsten Mal selbst etwas einbringen. Das Zwei-Block-Format behalten wir bei.
Zwischen den Terminen tauschen wir uns in einer Signal-Gruppe aus. Schreib uns an info@smart-village.net, dann nehmen wir dich auf. Eingeladen sind alle, die sich mit der Region verbunden fühlen und sich für KI interessieren, mit oder ohne Vorkenntnisse.
Nächster KI-Stammtisch · November
Nerd-Session mit Birk: Thema folgt
Beim nächsten Termin übernimmt Birk die Nerd-Session. Worum es genau geht, ergänzen wir hier in Kürze.
- Datum
- Uhrzeit
- 19:00 Uhr
- Ort
- Online
An diesem Beitrag hat KI mitgeschrieben. Ein KI-Assistent hat das Gespräch transkribiert und gegliedert. Auf Grundlage dieses Protokolls ist der Bericht mit Claude entstanden. Zum Schluss haben wir den Text mit den Regeln von stop-slop überarbeitet, um typische KI-Floskeln zu streichen.
Aussagen zu Modellen, Preisen und Projekten geben den Stand wieder, wie er im Treffen beschrieben wurde. Namen nennen wir nur dort, wo Personen selbst vorgetragen haben.


