Sommertour der SPD-Landtagsfraktion zu Gast im Hohen Fläming

Im Rahmen seiner Sommertour besucht der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Björn Lüttmann, täglich eine Abgeordnete oder einen Abgeordneten im jeweiligen Wahlkreis, um besondere Projekte kennenzulernen und mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen. Am vergangenen Mittwoch führte die Tour gemeinsam mit der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Melanie Balzer in ihren Wahlkreis rund um Bad Belzig – und damit mitten in unsere Arbeit im Hohen Fläming.

Von der ersten Open-Source-App bis zum Mobilitätscampus

Auf dem Gelände des Coconat in Klein Glien gab Stefanie Röder (Flämingo Startup Hub / Smart Village e.V.) einen Überblick über die inzwischen umfangreiche Projektlandschaft der digitalen Transformation in der Region – vom eigenkapitalfreien Accelerator-Programm für Startups aus Mobilität, Kreativwirtschaft und Gesundheit bis zu den zahlreichen Kooperationen rund um Coconat. Als langjähriger Akteur in Sachen digitale Transformation im ländlichen Raum konnte sich auch der Smart Village e.V. vorstellen, den wir seit 2019 als Dach für digitale, nachhaltige und lebenswerte Projekte im ländlichen Raum aufgebaut haben. Von der ersten Open-Source-App, die 2019 in Bad Belzig entwickelt wurde und heute in Städten, Gemeinden und Landkreisen weit über die Region hinaus genutzt wird, über den Smart Village Mobilitätscampus bis zur digitalen Bildungsoffensive konnte den Landtagsabgeordneten gezeigt werden: Digitale Infrastruktur trägt weiter als einzelne Leuchtturmprojekte.

Jung erklärt Alt: der Digitale Brückenschlag

Meike Eitel stellte unser generationenübergreifendes Bildungsprojekt „Digitaler Brückenschlag“ vor: Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren werden zu ehrenamtlichen Digital-Mentor:innen ausgebildet und begleiten Engagierte ab 50 Jahren im sicheren Umgang mit digitalen und KI-gestützten Anwendungen – in einem Sommercamp, festen Tandems, Nachmittagsworkshops und begleitenden Sprechstunden.

Ankerpunkt, KI-Stammtisch und Medienstammtisch

Don Ludwig, beim Ankerpunkt Hoher Fläming zuständig für den Themenschwerpunkt Digitalisierung, erläuterte das Konzept der landesweit 16 Ankerpunkte in Brandenburg, die zivilgesellschaftliches Engagement in den Themennetzwerken Vielfalt, Umwelt, Kultur und Digitales bündeln. Als konkrete Formate stellte er den KI-Stammtisch – mit Auftaktthema digitale Souveränität und offen für alle Interessierten – sowie den seit über acht Jahren etablierten Medienstammtisch Fläming vor, der zeigt, wie Kooperation zwischen Smart Village und Ankerpunkt statt Konkurrenz gelebt wird. Wie viel im Umfeld des Ankerpunkts inzwischen entstanden ist, zeigt der Beitrag „Was hier alles entsteht“: eine interaktive Übersicht über mehr als 40 Vorhaben quer durch alle Themenbereiche – filterbar nach Bereichen, wahlweise als Karten- oder Zeitleistenansicht.

Der Fläming ist das „Kalifornien Brandenburgs“.

scherzhafte Bemerkung aus der Runde

Die Gäste aus dem Landtag zeigten sich beeindruckt von der Innovationsdichte im Hohen Fläming. Auch beim Rundgang über das idyllische Gutshof-Gelände, das Coconat seit 2017 zu einem internationalen Workation- und Kreativort ausgebaut hat, sorgten das Cocolab, die Gäste-Cabins und unser „Vereinssitz“, die historische S-Bahn, für Begeisterung. Der Besuch bestätigt: Weiterentwickeln statt neu erfinden, Open Source statt Lock-in und Strukturen, die über einzelne Projektlaufzeiten hinaustragen – das ist der Weg, den wir im Hohen Fläming gemeinsam weitergehen.

Erster KI-Stammtisch im Hohen Fläming: Es geht um mehr als Tools

Am Dienstag, den 21. Juli 2026, fand der erste KI-Stammtisch im Hohen Fläming statt — online per Zoom, initiiert vom Smart Village e.V. Die Idee dahinter: Künstliche Intelligenz verändert gerade, wie wir arbeiten, kommunizieren und Wissen organisieren. In der Region beschäftigen sich längst viele Menschen damit — beruflich, aus Neugier oder weil ein konkretes Problem danach ruft. Nur kannten sich diese Menschen bisher kaum. Der Stammtisch soll das ändern: ein offenes Format, um voneinander zu lernen, Ideen auszutauschen und gemeinsam weiterzudenken — statt dass jede und jeder allein vor dem eigenen Bildschirm experimentiert.

Wer da war

Die Runde war klein, aber erstaunlich breit aufgestellt: von Anwender:innen, die KI-Werkzeuge täglich nutzen, ohne je programmiert zu haben, über Menschen, die sich eigene Tools und Arbeitsumgebungen bauen, bis zur gesellschaftlich-ethischen Perspektive auf das Thema. Genau diese Mischung erwies sich als Stärke des Abends — und als eine seiner zentralen Erkenntnisse: Die Bandbreite zwischen „ich schreibe einen Prompt in eine Chat-App“ und „ich experimentiere mit lokal gehosteten Modellen“ ist riesig. Ein Format, das beide Enden zusammenbringt, gibt es in der Region bisher nicht.

Worüber wir gesprochen haben

Schnell kristallisierte sich ein Thema heraus, das den ganzen Abend trug: digitale Souveränität. Aktuell laufen fast alle KI-Anwendungen über die Rechenzentren weniger US-amerikanischer Anbieter — mit allem, was dazugehört: Abhängigkeit von deren Preisen und Geschäftsentscheidungen, sensible Daten auf fremden Servern, keine Kontrolle darüber, was damit passiert.

Die Kernidee des Abends

Coworking weitergedacht: eine gemeinsam genutzte KI-Infrastruktur für die Region — geteilte Rechenkapazitäten, auf denen offene, kleinere Modelle laufen. Unabhängiger, sparsamer, zugeschnitten auf konkrete Aufgaben.

Daraus entstand die Kernidee des Abends: Was wäre, wenn wir den Gedanken des Coworkings weiterdenken — hin zu einer Art gemeinsam genutzter KI-Infrastruktur für die Region? Orte und Gemeinschaften im Fläming könnten sich zusammentun und geteilte Rechenkapazitäten aufbauen, auf denen offene KI-Modelle laufen. Die müssen nicht mit den großen kommerziellen Modellen konkurrieren: Für viele Aufgaben reichen kleinere, spezialisierte Modelle völlig aus — und die sind nicht nur unabhängiger, sondern auch deutlich sparsamer im Energieverbrauch. Statt eines Systems, das alles können will, viele kleine Expertensysteme, zugeschnitten auf konkrete Aufgaben.

Klar wurde auch: So einfach, wie es klingt, ist es nicht. Zwischen der Idee und einem alltagstauglichen Angebot liegen viele offene Fragen — welche Modelle, welche Hardware, welche Kosten, wie teilt man Ressourcen fair? Genau diese Fragen wollen wir jetzt systematisch angehen.

Neben der Infrastruktur zeigten sich zwei weitere Stränge, die den Stammtisch künftig prägen werden:

Verstehen und Bildung Viele Menschen wollen nicht nur KI nutzen, sondern begreifen, was da eigentlich passiert — was ein Modell ist, was ein Agent, wo Risiken liegen. Niedrigschwellige Workshop- und Erklärformate könnten hier eine Lücke schließen.
Die gesellschaftliche Ebene Verantwortung, Verzerrungen in den Trainingsdaten, Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen — KI ist kein rein technisches Thema. Dass diese Perspektive von Anfang an mit am Tisch sitzt, ist uns wichtig.

Und es gab bereits erste konkrete Anknüpfungspunkte in der Region: vom Wegweiser Hoher Fläming, der als regionales Einstiegstor von einer klugen Assistenz profitieren könnte, bis zum Lokaljournalismus, wo sich neue Möglichkeiten eröffnen. Solche Anwendungsfälle sind der Stoff, aus dem später auch Förderanträge werden können — aber erst kommt das Sammeln und Sortieren, dann das Beantragen.

Wie es weitergeht

Der Auftakt hat gezeigt: Das Thema trägt, und die Lust auf Weiterarbeit ist da. Für die nächsten Schritte haben wir uns vorgenommen, konkrete Anwendungsfälle aus der Region zusammenzutragen — wo drückt der Schuh, wo könnte KI wirklich helfen? —, erste technische Grundlagen für eine gemeinsame Infrastruktur zu evaluieren und passende Förderprogramme zu sondieren. Auch Kontakte in die Wissenschaft sind bereits angebahnt.

Für den Austausch zwischen den Terminen gibt es außerdem jetzt eine Signal-Gruppe. Wer dabei sein möchte, schreibt uns einfach an info@smart-village.net — wir nehmen euch gerne auf.

Eingeladen sind alle, die sich der Region verbunden fühlen und sich für das Thema interessieren — ob mit oder ohne Vorkenntnisse. Neugier reicht.

Nächster Termin
Datum Di, 18. August 2026
Uhrzeit 19:00 Uhr
Ort Online per Zoom

Übrigens, ganz im Sinne des Themas: Auch bei diesem Beitrag hat KI mitgearbeitet — fathom.ai hat das Zoom-Gespräch protokolliert und zusammengefasst, mit Claude haben wir den Text erarbeitet, und die Grafiken sind mit Claude Design entstanden.