KI-Stammtisch im Hohen Fläming: Von der Idee zur Infrastruktur

Am Dienstag, den 22. September 2026, hat sich der KI-Stammtisch im Hohen Fläming zum dritten Mal getroffen, online und auf Einladung des Smart Village e. V. (zur Stammtisch-Seite)

Aus dem offenen Austausch der ersten Termine ist ein Förderantrag geworden. Die Runde sammelt deshalb weniger neue Themen. Sie prüft jetzt eine konkrete Idee an den Erfahrungen der anderen.

Wer da war

Die Runde war wieder klein und breit gemischt. Dabei waren eine Startup-Gründerin aus den Neurowissenschaften, die nach einem Jahr Pause wieder selbst programmiert, und ein gelernter Kulturhistoriker, der seit fünfzehn Jahren Webseiten baut und im Vorstand seiner Dorfgemeinschaft sitzt. Ein IT-Projektmanager automatisiert nebenbei ein ehrenamtliches Kino. Jemand arbeitet beruflich mit sensiblen Daten und kommt deshalb an lokaler KI nicht vorbei. Eine Teilnehmerin aus der Ministerialverwaltung brachte die Frage mit, wie so etwas politisch skaliert.

Diese Mischung soll das Format tragen, und an diesem Abend hat sie geholfen: Zu jeder der drei vorgestellten Ideen kam Widerspruch, eine Ergänzung oder ein Kontakt aus einer Richtung, an die die Vortragenden selbst nicht gedacht hatten.

Worüber wir gesprochen haben

Der LEADER-Antrag

LEADER ist ein Förderprogramm für Regionalentwicklung. Meist fördert es Dorfgemeinschaftshäuser oder breitere Gehwege, gelegentlich auch Konzepte, Prototypen und digitale Projekte. Auf diese zweite Gruppe zielt der Antrag, den wir gerade vorbereiten.

Der erste Baustein ist eine prototypische regionale KI-Infrastruktur, ein Beispiel in kleinem Maßstab, das man vorführen kann. Sie arbeitet in Stufen: Eine Anfrage läuft zuerst auf dem eigenen Rechner, dann auf einem regionalen Server irgendwo im Fläming. Reicht beides nicht, geht sie an ein großes kommerzielles Modell. Die Weiche dafür nennen wir „Autorouter“. Er schätzt für jede Anfrage ab, wie viel Rechenleistung sie braucht.

Solche Router entwickeln derzeit viele Firmen, fast alle mit dem Ziel, Kosten zu sparen. Bei der Recherche für den Antrag haben wir bisher einen Anbieter gefunden, der auf Datenschutz optimiert: ein Münchner Start-up. Es leitet Anfragen nur an DSGVO-konforme Anbieter weiter und maskiert personenbezogene Daten vorher. Dafür berechnet es 3,5 bis 7,5 Prozent der Token-Kosten. Das System ist geschlossen und leitet nicht an lokale oder regionale Modelle weiter, und diese Funktion brauchen wir. Außerdem lernt der Anbieter aus allen Anfragen, die er weiterleitet, und legt das nicht offen. Wir ziehen daraus zwei Schlüsse: Wir wollen Lobbyarbeit machen und eine eigene, offene Router-Infrastruktur aufbauen.

Der zweite Baustein sind Anwendungsfälle, an denen wir das Konzept zeigen. Zwei davon haben wir besprochen:

Meeting-Begleiter

Ein KI-Agent, der Gespräche mithört, gliedert und nebenbei recherchiert. Das Ergebnis erscheint live als Markdown. An diesem Abend lief er selbst mit, mehr dazu weiter unten.

Ortsgedächtnis noch zu prüfen

Viele Dörfer wollen ihre Geschichte dokumentieren. Das Wissen steckt in Köpfen, Grundbüchern und alten Niederschriften. KI könnte helfen, es zu erfassen, zu kartografieren und zu verknüpfen.

Zum Ortsgedächtnis kam sofort ein Einwand: Im Fläming arbeitet jemand seit Jahren mit wissenschaftlicher Begleitung an so einem Vorhaben, und die größte Hürde dort sind die Menschen. Viele geben ihr Wissen ungern preis. Ob Technik daran etwas ändert, konnten wir an dem Abend nicht klären.

Ein Assistent, der live mithört

Außerdem haben wir den Meeting-Begleiter vorgestellt, der aus Theaterprojekten mit Jugendlichen entstanden ist. Der KI-Agent hört einem Gespräch zu, gliedert es, recherchiert nebenbei und zeigt das Ergebnis live als Markdown an. Man kann ihn mitten im Gespräch ansprechen und ihm Aufträge geben. Bei der Live-Demo war ein Zugangstoken abgelaufen. Am Ende des Abends fiel die Bilanz gemischt aus: Mit zugerufenen Aufträgen arbeitet das Werkzeug schon gut. Läuft es nur passiv mit wie an diesem Abend, überzeugt es noch nicht. Die Runde hat zugestimmt, dass wir die Aufzeichnung nutzen, um diesen Modus zu verbessern.

Europäisch denken, lokal anfangen

Jemand fragte, ob sich solche Initiativen europäisch vernetzen müssen, damit sie etwas bewirken. Die Runde sagte ja, mit einer Einschränkung. Bund und EU befassen sich längst mit dem Thema, auf die großen Apparate zu warten hielt trotzdem niemand für sinnvoll. Ein europäischer Weg muss sich nicht mit den größten Modellen messen. Er kann auf kleinere, spezialisierte Modelle und lokale Kapazitäten setzen, und Regeln wie DSGVO und EU AI Act schaffen dabei Vertrauen. Wir fangen also an und suchen unterwegs die Vernetzung.

Aus ministerieller Sicht kam ein konkreter Rat: Sobald das Projekt vorzeigbar ist, sollten wir es direkt im zuständigen Bundesministerium vorstellen, das Leuchtturmprojekte sucht. Ansprechpartner wären ein Abteilungsleiter oder ein parlamentarischer Staatssekretär. Als wissenschaftlicher Partner kam das Munich Center for Machine Learning der LMU ins Gespräch. Wir sollten früh damit anfangen, sonst verpassen wir Förderprogramme, die es schon gibt. Deshalb schreiben wir ein Konzeptpapier und geben es vorab zum kritischen Gegenlesen weiter.

Offen blieb, wie mehrere Nutzer eine geteilte Infrastruktur gemeinsam betreiben. Teilen sie sich Rechenzeit, oder laufen Dienste dauerhaft im Hintergrund? Und bei Lastspitzen oder im Leerlauf? Die Antworten hängen von den Anwendungsfällen ab, und die sammeln wir als Nächstes.

Bericht vom KI-Tag in Werder

Vor zwei Wochen kamen im Bahnhof Werder 80 bis 100 Menschen zum 4. KI-Tag der Wirtschaft des Landes Brandenburg zusammen, eingeladen war ausdrücklich der Mittelstand. Viele Unternehmen dort setzen KI schon ein und stehen nicht mehr am Anfang. Goldsponsor war die IT-Sparte eines großen Handelskonzerns. Sie baut in Brandenburg ein Rechenzentrum mit KI-Forschungscampus für mehrere Tausend Menschen und spricht vom „europäischen Hyperscaler“. Auch europäische Konzerne wollen sich also von US-Anbietern lösen.

Die Kostenseite kam auf der Konferenz kaum vor: Energie, Umwelt, soziale Umbrüche, geopolitische Abhängigkeiten. Die Branche feierte sich und fragte nicht, ob jede Anwendung KI braucht. Wer eine Websuche über ein großes Modell laufen lässt, obwohl ein kleines offenes Modell genügt, verschwendet Ressourcen. Selbstkritisch hielten wir fest, dass lokale KI auch deshalb selten genutzt wird, weil regionale Rechenkapazitäten fehlen. Verständliche Anleitungen, wie man ein Modell auf der eigenen Hardware zum Laufen bringt, gibt es kaum. Bisher bedeutet das viel Ausprobieren.

Kleine Modelle, große Wirkung

Zum Schluss gab es einen Technik-Impuls. Mitte September hat TypeSafe AI mit Jev ein Modell veröffentlicht, das ausschließlich klassifiziert. Es verarbeitet große Datenmengen in Millisekunden und wählt aus einer festgelegten Liste von Antworten. Input-Tokens kosten einen Bruchteil, Output-Tokens nichts, und die Latenz fällt kaum ins Gewicht. Viele Aufgaben, für die Firmen heute große Sprachmodelle einsetzen, sind im Kern Multiple-Choice: einen Browser bedienen oder E-Mails als Spam einsortieren. Zu dem Thema kursiert schon viel Hype, deshalb lohnt es sich, Information und Werbung auseinanderzuhalten. Eine Leseempfehlung teilen wir in der Signal-Gruppe, beim nächsten Termin gehen wir tiefer rein.

Wie es weitergeht

Der Abend hat auch gezeigt, wo das Format an Grenzen stößt. Einige hätten zu einzelnen Punkten drei Stunden weiterreden können, gleichzeitig soll der Stammtisch offen für Menschen ohne Vorkenntnisse bleiben. Aus der Runde kam deshalb der Vorschlag, länger zu tagen und den Abend in Blöcke zu teilen: einen für vertiefende „Nerd-Sessions“ und einen für Berichte und Vernetzung, etwa eine halbe Stunde pro Thema. So kannst du dich zu den Blöcken dazuschalten, die dich interessieren.

Für den Antrag zählt jetzt der Kalender. Die Abgabefrist ist Anfang Oktober. Danach durchläuft der Antrag ein mehrstufiges Verfahren bei der Lokalen Aktionsgruppe Fläming-Havel, mit einem Projektstart rechnen wir frühestens 2027. Wird der Antrag bewilligt, können wir über mehrere Jahre entwickeln und Honorare an Selbstständige in der Region vergeben.

Bis dahin sammeln wir Anwendungsfälle, schreiben das Konzeptpapier und knüpfen Kontakte zu Bund und Wissenschaft. Beim nächsten Termin schauen wir uns die Klassifizierer-Modelle genauer an.

Zwischen den Terminen tauschen wir uns in einer Signal-Gruppe aus. Schreib uns an info@smart-village.net, dann nehmen wir dich auf. Eingeladen sind alle, die sich mit der Region verbunden fühlen und sich für KI interessieren, mit oder ohne Vorkenntnisse.

Tipp: Videos erstellen mit KI

Durch den KI-Dschungel: KI-Video, Bildgenerierung und hybride Workflows

Beim Stammtisch für Medienschaffende vom Ankerpunkt Hoher Fläming hält die AI-Filmmakerin Sylvia Nitzsche dazu einen Impuls. Eingeladen sind alle, die in Medien, Film, Design, Text, Audio oder Kommunikation arbeiten.

Datum
Mo, 5. Oktober 2026
Uhrzeit
17:00–19:00 Uhr
Ort
Coconat, Klein Glien oder online
Zur Veranstaltung beim Ankerpunkt (öffnet in neuem Tab)

Der nächste KI-Stammtisch: Termin folgt auf smart-village.net/ki-stammtisch

An diesem Beitrag hat KI mitgeschrieben. Der Meeting-Begleiter, den wir an dem Abend vorgestellt haben, hat das Gespräch live transkribiert und gegliedert. Auf Grundlage dieses Protokolls ist der Bericht mit Claude Fable 5.1 entstanden. Zum Schluss haben wir den Text mit den Regeln von stop-slop überarbeitet, um typische KI-Floskeln zu streichen.

Die Spracherkennung unterscheidet keine Sprecher. Deshalb nennt dieser Bericht keine Namen und ordnet Aussagen nur dort Personen zu, wo wir das belegen können.

Unser 2. Workshop 50+

Rückblick auf unseren 2. 50+ Workshop – Design & Social Media 🎨
Gemeinsam mit der wunderbaren Stella Veneziano haben wir uns diesmal angeschaut, was gutes Design eigentlich ausmacht. Die Antwort: die CRAP-Kriterien – vier einfache Grundregeln, die jedes Layout besser machen.

Gelungene Premiere: Unser erster Workshop der 50+ Reihe

Gestern stand unser erster Workshop „Künstliche Intelligenz clever nutzen“ auf dem Programm – und die Runde war denkbar bunt gemischt: 10 engagierte Teilnehmende zwischen 50 und 80 Jahren aus Bad Belzig, den Belziger Ortsteilen, Raben und Wiesenburg haben sich auf das Thema eingelassen.

Stammtisch für Medienschaffende im Fläming

Stammtisch für Medienschaffende im Fläming – Austausch und Vernetzung

Du arbeitest in Medien, Film, Design, Text, Audio oder Kommunikation und lebst oder arbeitest im Hohen Fläming? Dann bist du herzlich eingeladen.

Wir treffen uns einmal im Monat, um uns als kreative Medienschaffende in der Region kennenzulernen, auszutauschen und miteinander in Verbindung zu bleiben. Es geht darum, sichtbar zu werden, voneinander zu lernen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit entstehen zu lassen – ohne Konkurrenzdenken, ohne Pitch-Stress.

Wie läuft das ab?
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde bekommt jede*r, der möchte, Zeit:

  • sich und eigene Projekte vorzustellen
  • Fragen zu stellen oder Feedback einzuholen
  • Mitstreiter*innen, Co-Worker oder Aufträge zu finden oder anzubieten

Wer lieber nur zuhören möchte, ist natürlich genauso willkommen.

Worum es uns geht:
Ein offener, professioneller Austausch auf Augenhöhe.
Gegenseitige Unterstützung – fachlich, praktisch und auch menschlich.
Ein Netzwerk, das trägt.

Wann & wo:

📍  Coconat, Klein Glien 25, 14806 Bad Belzig

🗓  07.09.2026

🕔 17:00-19:00 Uhr

Extras:
Teilnehmende können an diesem Tag im Coconat kostenfrei co-worken.
🍲 Mittagessen um 13:00 Uhr
🍽 Abendessen um 19:00 Uhr
(beides kostenpflichtig mit Voranmeldung unter booking@coconat-space.com)

Teilnahme:
Vor Ort oder digital via Google Meet:https://meet.google.com/hyx-gdyj-jzr

Wir freuen uns auf bekannte und neue Gesichter – aus dem Hohen Fläming und drum herum.

Weitere Informationen zum Netzwerk „Medienschaffende im Fläming“:

👉 https://smart-village.net/ueber-uns/mitglieder-und-foerderer/medienschaffende-im-flaeming/


Foto von Mirja Zentgraf

Nach den Workshops ist vor den Workshops – 50+ startet am 01.09.

Der Smart Village e.V. bietet ab September im Kulturzentrum Bad Belzig eine fünfteilige Workshop-Reihe für engagierte Menschen ab 50 an, die in Vereinen, Initiativen oder Nachbarschaften aktiv sind. In 5 Nachmittagsworkshops lernt ihr Basics zu den Themen KI, Gestaltung, digitale Organisation, Öffentlichkeitsarbeit und digitale Sicherheit

Digital Hero Sommercamp – das war unsere Woche

Digital, kreativ, generationenverbindend: Unser Digital Hero Sommercamp ist vorbei – eine Woche voller KI, Cyber Security, Orga, PR-Skills, Design und viel Spaß auf dem Weg zu Junior-Coaches. Wir sind einfach mal richtig stolz auf das, was unsere jungen Teilnehmenden erreicht haben.

Sommertour der SPD-Landtagsfraktion zu Gast im Hohen Fläming

Im Rahmen seiner Sommertour besucht der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Björn Lüttmann, täglich eine Abgeordnete oder einen Abgeordneten im jeweiligen Wahlkreis, um besondere Projekte kennenzulernen und mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen. Am vergangenen Mittwoch führte die Tour gemeinsam mit der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Melanie Balzer in ihren Wahlkreis rund um Bad Belzig – und damit mitten in unsere Arbeit im Hohen Fläming.

Von der ersten Open-Source-App bis zum Mobilitätscampus

Auf dem Gelände des Coconat in Klein Glien gab Stefanie Röder (Flämingo Startup Hub / Smart Village e.V.) einen Überblick über die inzwischen umfangreiche Projektlandschaft der digitalen Transformation in der Region – vom eigenkapitalfreien Accelerator-Programm für Startups aus Mobilität, Kreativwirtschaft und Gesundheit bis zu den zahlreichen Kooperationen rund um Coconat. Als langjähriger Akteur in Sachen digitale Transformation im ländlichen Raum konnte sich auch der Smart Village e.V. vorstellen, den wir seit 2019 als Dach für digitale, nachhaltige und lebenswerte Projekte im ländlichen Raum aufgebaut haben. Von der ersten Open-Source-App, die 2019 in Bad Belzig entwickelt wurde und heute in Städten, Gemeinden und Landkreisen weit über die Region hinaus genutzt wird, über den Smart Village Mobilitätscampus bis zur digitalen Bildungsoffensive konnte den Landtagsabgeordneten gezeigt werden: Digitale Infrastruktur trägt weiter als einzelne Leuchtturmprojekte.

Jung erklärt Alt: der Digitale Brückenschlag

Meike Eitel stellte unser generationenübergreifendes Bildungsprojekt „Digitaler Brückenschlag“ vor: Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren werden zu ehrenamtlichen Digital-Mentor:innen ausgebildet und begleiten Engagierte ab 50 Jahren im sicheren Umgang mit digitalen und KI-gestützten Anwendungen – in einem Sommercamp, festen Tandems, Nachmittagsworkshops und begleitenden Sprechstunden.

Ankerpunkt, KI-Stammtisch und Medienstammtisch

Don Ludwig, beim Ankerpunkt Hoher Fläming zuständig für den Themenschwerpunkt Digitalisierung, erläuterte das Konzept der landesweit 16 Ankerpunkte in Brandenburg, die zivilgesellschaftliches Engagement in den Themennetzwerken Vielfalt, Umwelt, Kultur und Digitales bündeln. Als konkrete Formate stellte er den KI-Stammtisch – mit Auftaktthema digitale Souveränität und offen für alle Interessierten – sowie den seit über acht Jahren etablierten Medienstammtisch Fläming vor, der zeigt, wie Kooperation zwischen Smart Village und Ankerpunkt statt Konkurrenz gelebt wird. Wie viel im Umfeld des Ankerpunkts inzwischen entstanden ist, zeigt der Beitrag „Was hier alles entsteht“: eine interaktive Übersicht über mehr als 40 Vorhaben quer durch alle Themenbereiche – filterbar nach Bereichen, wahlweise als Karten- oder Zeitleistenansicht.

Der Fläming ist das „Kalifornien Brandenburgs“.

scherzhafte Bemerkung aus der Runde

Die Gäste aus dem Landtag zeigten sich beeindruckt von der Innovationsdichte im Hohen Fläming. Auch beim Rundgang über das idyllische Gutshof-Gelände, das Coconat seit 2017 zu einem internationalen Workation- und Kreativort ausgebaut hat, sorgten das Cocolab, die Gäste-Cabins und unser „Vereinssitz“, die historische S-Bahn, für Begeisterung. Der Besuch bestätigt: Weiterentwickeln statt neu erfinden, Open Source statt Lock-in und Strukturen, die über einzelne Projektlaufzeiten hinaustragen – das ist der Weg, den wir im Hohen Fläming gemeinsam weitergehen.

Erster KI-Stammtisch im Hohen Fläming: Es geht um mehr als Tools

Am Dienstag, den 21. Juli 2026, fand der erste KI-Stammtisch im Hohen Fläming statt — online per Zoom, initiiert vom Smart Village e.V. Die Idee dahinter: Künstliche Intelligenz verändert gerade, wie wir arbeiten, kommunizieren und Wissen organisieren. In der Region beschäftigen sich längst viele Menschen damit — beruflich, aus Neugier oder weil ein konkretes Problem danach ruft. Nur kannten sich diese Menschen bisher kaum. Der Stammtisch soll das ändern: ein offenes Format, um voneinander zu lernen, Ideen auszutauschen und gemeinsam weiterzudenken — statt dass jede und jeder allein vor dem eigenen Bildschirm experimentiert.

Wer da war

Die Runde war klein, aber erstaunlich breit aufgestellt: von Anwender:innen, die KI-Werkzeuge täglich nutzen, ohne je programmiert zu haben, über Menschen, die sich eigene Tools und Arbeitsumgebungen bauen, bis zur gesellschaftlich-ethischen Perspektive auf das Thema. Genau diese Mischung erwies sich als Stärke des Abends — und als eine seiner zentralen Erkenntnisse: Die Bandbreite zwischen „ich schreibe einen Prompt in eine Chat-App“ und „ich experimentiere mit lokal gehosteten Modellen“ ist riesig. Ein Format, das beide Enden zusammenbringt, gibt es in der Region bisher nicht.

Worüber wir gesprochen haben

Schnell kristallisierte sich ein Thema heraus, das den ganzen Abend trug: digitale Souveränität. Aktuell laufen fast alle KI-Anwendungen über die Rechenzentren weniger US-amerikanischer Anbieter — mit allem, was dazugehört: Abhängigkeit von deren Preisen und Geschäftsentscheidungen, sensible Daten auf fremden Servern, keine Kontrolle darüber, was damit passiert.

Die Kernidee des Abends

Coworking weitergedacht: eine gemeinsam genutzte KI-Infrastruktur für die Region — geteilte Rechenkapazitäten, auf denen offene, kleinere Modelle laufen. Unabhängiger, sparsamer, zugeschnitten auf konkrete Aufgaben.

Daraus entstand die Kernidee des Abends: Was wäre, wenn wir den Gedanken des Coworkings weiterdenken — hin zu einer Art gemeinsam genutzter KI-Infrastruktur für die Region? Orte und Gemeinschaften im Fläming könnten sich zusammentun und geteilte Rechenkapazitäten aufbauen, auf denen offene KI-Modelle laufen. Die müssen nicht mit den großen kommerziellen Modellen konkurrieren: Für viele Aufgaben reichen kleinere, spezialisierte Modelle völlig aus — und die sind nicht nur unabhängiger, sondern auch deutlich sparsamer im Energieverbrauch. Statt eines Systems, das alles können will, viele kleine Expertensysteme, zugeschnitten auf konkrete Aufgaben.

Klar wurde auch: So einfach, wie es klingt, ist es nicht. Zwischen der Idee und einem alltagstauglichen Angebot liegen viele offene Fragen — welche Modelle, welche Hardware, welche Kosten, wie teilt man Ressourcen fair? Genau diese Fragen wollen wir jetzt systematisch angehen.

Neben der Infrastruktur zeigten sich zwei weitere Stränge, die den Stammtisch künftig prägen werden:

Verstehen und Bildung Viele Menschen wollen nicht nur KI nutzen, sondern begreifen, was da eigentlich passiert — was ein Modell ist, was ein Agent, wo Risiken liegen. Niedrigschwellige Workshop- und Erklärformate könnten hier eine Lücke schließen.
Die gesellschaftliche Ebene Verantwortung, Verzerrungen in den Trainingsdaten, Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen — KI ist kein rein technisches Thema. Dass diese Perspektive von Anfang an mit am Tisch sitzt, ist uns wichtig.

Und es gab bereits erste konkrete Anknüpfungspunkte in der Region: vom Wegweiser Hoher Fläming, der als regionales Einstiegstor von einer klugen Assistenz profitieren könnte, bis zum Lokaljournalismus, wo sich neue Möglichkeiten eröffnen. Solche Anwendungsfälle sind der Stoff, aus dem später auch Förderanträge werden können — aber erst kommt das Sammeln und Sortieren, dann das Beantragen.

Wie es weitergeht

Der Auftakt hat gezeigt: Das Thema trägt, und die Lust auf Weiterarbeit ist da. Für die nächsten Schritte haben wir uns vorgenommen, konkrete Anwendungsfälle aus der Region zusammenzutragen — wo drückt der Schuh, wo könnte KI wirklich helfen? —, erste technische Grundlagen für eine gemeinsame Infrastruktur zu evaluieren und passende Förderprogramme zu sondieren. Auch Kontakte in die Wissenschaft sind bereits angebahnt.

Für den Austausch zwischen den Terminen gibt es außerdem jetzt eine Signal-Gruppe. Wer dabei sein möchte, schreibt uns einfach an info@smart-village.net — wir nehmen euch gerne auf.

Eingeladen sind alle, die sich der Region verbunden fühlen und sich für das Thema interessieren — ob mit oder ohne Vorkenntnisse. Neugier reicht.

Nächster Termin
Datum Di, 18. August 2026
Uhrzeit 19:00 Uhr
Ort Online per Zoom

Übrigens, ganz im Sinne des Themas: Auch bei diesem Beitrag hat KI mitgearbeitet — fathom.ai hat das Zoom-Gespräch protokolliert und zusammengefasst, mit Claude haben wir den Text erarbeitet, und die Grafiken sind mit Claude Design entstanden.

Zukunft des Lokal- und Bürgerjournalismus

Unser Lokal- und Bürgerjournalismus steht vor einer entscheidenden Weiche:
Andreas Trunschke (Fläming 365 / Zauche 365) wird kürzertreten – jetzt sind wir als Region gefragt!

Wie soll es mit dem Lokal- und Bürgerjournalismus in unserer Region weitergehen?
Neue Verantwortlichkeiten, frische Formate (Video, Print, Social Media?), neue Partner – oder droht das Versiegen unseres Angebots?

Lass uns das gemeinsam klären:

📅 27. Juni, 10:00–13:00 Uhr
📍 S-Bahn Klein Glien

Komm dazu, bring deine Ideen mit und teile die Einladung gern weiter.
Schreib uns kurz, ob du dabei bist – das hilft bei der Planung.

Jetzt für das Sommer Camp anmelden!

Vom 17.–21. August 2026 findet im JuBel Bad Belzig unser Digital-Hero-Sommercamp für Jugendliche von 12 bis 20 Jahren statt.